· 

Systemrelevante Offebecher ... Keramikmanufaktur Birgit Palt

Update: Ab Montag, dem 20. April haben alle Geschäfte in Offenbach wieder geöffnet.

Ihr „Offebecher“ hat das Zeug zum Kult-Produkt aus

Offenbach. Nicht nur der Wortwitz besticht, auch liegt der Becher mit seiner

Tröpchenstruktur mehr als angenehm in der Hand. Es gibt ihn in verschiedenen Farben, wenn gewünscht mit dazu passenden Tellern, Eierbechern, Butterdosen, Müslischalen und vieles mehr. Diese Geschirrserie hat Birgit Palt „Dotty“ genannt.

 

Birgit Palt hat seit 2003 ihr eigenes Atelier in

Rumpenheim und arbeitet als freischaffende Künstlerin. Sie arbeitet fast ausschließlich mit hochwertigem Porzellan. So entstehen Geschirr, Lampen, Vasen und Kunstobjekte – jedes als ein Unikat

 

Doch es ist schwer in diesen Tagen, ein „Kultprodukt“ wie dieses an die Frau/an den Mann zu bringen. Künstlerinnen wie Birgit Palt sind abhängig von Keramikmärkten, bei denen sie ihr Produkt nicht nur verkaufen, sondern auch präsentieren können. Doch diese dürfen derzeit nicht stattfinden. Aus Protest dagegen, dass Künstler*innen es gerade bei der Beantragung von Fördergeldern mehr als schwer haben, hat sie außerdem einen Becher kreiert mit der Aufschrift „Nicht Systemrelevant“ bzw. „Systemrelevant“ – Eine Corona-Edition sozusagen. 

Frau Palt: In welcher Situation / Lage waren Sie vor der

Corona-Warnung?

Seit 17 Jahren arbeite ich als Soloselbständige

freiberufliche Künstlerin erfolgreich in meinem Atelier in Offenbach. Saisonbedingt gibt es im Januar und Februar keine Keramikmärkte oder Kunsthandwerkermärkte. Die Rücklagen aus dem Weihnachtsverkauf reichen für 2-3 Monate. Im März

beginnen die Verkaufsveranstaltungen und sind auch enorm wichtig für meinen Lebensunterhalt. Rücklagen sind bei diesem saisonalen Geschäft leider nicht

möglich.

 

Welche Pläne hatten Sie, mit welcher Entwicklung hatten Sie gerechnet?

Ab Mitte März habe ich mich für fast jedes Wochenende auf einem Keramik- oder Kunsthandwerkermarkt beworben und die Standmieten auch bereits überwiesen. Der durchschnittliche Umsatz pro Wochenende beläuft sich auf 2500 €, manche Märkte an der schweizer Grenze oder im Kloster Maulbronn laufen auch deutlich besser mit 4000 bis 5000 € Umsatz pro Wochenende. Selbst wenn wetterbedingt die Verkäufe schlechter laufen konnte ich mit einem monatlichen Umsatz von 8000-10000 € rechnen.

Was waren die ersten Auswirkungen der Corona-Krise bei Ihnen?

sämtliche Veranstaltungen wurden von Tag zu Tag abgesagt, selbst der Verkauf hier in meinem Atelier wurde mir verboten, die Aussicht auch im März keinen Umsatz generieren zu können bringt mich in Existenznot, da meine betrieblichen Kosten und die Kosten für mein Haus und die Versicherungen weiter zu stemmen sind.

 

Gibt es Probleme mit Lieferanten oder beim Einkauf für Ihr Geschäft?

Keramikzubehör in Kleinmengen ist online bestellbar aber die Masse kaufe ich 300 kg-weise das ist sehr teuer sich dies liefern zu lassen, noch habe ich ausreichend Material, aber länger als einen Monat reicht es nicht.

Wie Verhalten sich Ihre Kunden / Auftraggeber?

Die Kunden bleiben aus, Laufkundschaft in meinem Atelier gibt es so gut wie nicht. Einige Bestellungen habe ich noch aus Januar und

Februar aber ohne Märkte, sprich ohne Werbung kommen auch keine neuen

Bestellungen herein.

 

Welche Konsequenzen mussten Sie bisher ziehen?

Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass der Wochenmarkt stattfindet, ein Keramikmarkt aber nicht weil sich meine Kunden genauso diszipliniert anstellen würden wie Kunden auf Wochenmärkten oder beim Bäcker...die Solidarität gibt es nicht, das ist schwer zu begreifen. Ich habe mir in meiner Familie Geld geliehen um eine kurze Weile zu überleben. 

Haben Sie einen Notfallplan, können Sie Ihr Geschäft der Situation anpassen?

Kosten laufen weiter, Versicherungen kann ich nicht per sofort kündigen, da ich sie auch brauche, der Hauskredit muss weiter bedient

werden und die Stromkosten (in meinem Fall sehr hoch wegen der Brennöfen) lassen sich nicht herabsetzen, da ich versuche weiter zu produzieren. Den Umsatz eines Marktes in einer Woche mit Online-Shop zu kompensieren wird mir nicht gelingen, da müsste ich pro Woche mindestens 100 Bestellungen generieren und 100 Päckchen mit Keramik packen, was wirklich keine Freude macht bei dem Umgang der Post mit zerbrechlichen Produkten, außerdem wären das ca. 700€ Porto pro Woche, die ich ebenfalls nicht habe. 

Haben Sie ein spezielles, brennendes Problem für das Sie Hilfe brauchen?

Meine monatlichen Kosten für Haus, Nebenkosten, Lebensunterhalt und die Standmieten für zukünftige Märkte, die ich ebenfalls nicht überweisen kann mangels Einkommen... bedeuten auch für die zweite

Jahreshälft nichts Gutes. Die Standmieten für ein Jahr Märkte betragen ca 5000-6000 € sind also keine Kleinigkeit. Wie beim Landwirt heißt es hier, wer sich nicht kümmert und bucht, hat im Herbst keinen Markt.

 

Was würde Ihnen am meisten helfen?

Auf keinen Fall Kredite! Ich kann das nicht mehr hören was das für ein Geschenk an uns sein soll das wir uns verschulden dürfen. Ich erwarte unbürokratische Soforthilfe für mindestens 3 Monate in ausreichender Höhe. 1000 € bringen hier gar nichts das reicht gerade mal für meine Krankenkasse und den Strom. Hier gibt es total schräge Vorstellungen bei einigen Politikern wieviel hier angemessen wäre. Bei Soloselbständigen mit Produktionsstätte und allen notwendigen Nebenkosten und Versicherungen kommen hier Fixkosten in Höhe von 3000 € schnell zusammen, und dabei habe ich noch nichts gegessen.

Was würdet Sie sich wünschen, wenn sich die Situation wieder entspannen wird?

 

Dass ich meiner Arbeit wieder nachgehen darf, sprich meine Keramikarbeiten wiederverkaufen darf, unter freiem Himmel auf einem Markt, ich sehe das nicht so problematisch, es stehen selten 2 Kunden gleichzeitig vor meinem Stand.

 

Können Sie der Krise etwas Positives abgewinnen?

 

Absolut nichts, ich habe so große Sorgen um mein Lebenswerk und meine Existenz, dass ich diese Markt-Zwangspause nicht für neue

Kreativität für mich nutzen kann. Wenn ich mir nicht privat Geld leihen könnte, würde ich hungern und mein Haus würde zwangsversteigert. 

 

So könnt Ihr die „Offebecher“ und weitere Produkte von Birgit Palt erwerben:

 

Auf der Homepage http://www.birgitpalt.de

findet Ihr zu allen ihren Keramikserien ausführliche Kataloge mit Bildern.

 

Ihr könnt die Produkte bei Frau Palt bestellen unter kontakt@birgitpalt.de oder Tel.: 069/78 80 65 56.

 

Die Produkte werden dann geliefert.

 

Die kultigen „Offebecher“ könnt Ihr auch über die Etagerie erwerben.

 

Bitte weitersagen!

In eigener Sache: Die Hessische SPD-Landtagsfraktion setzt sich aktuell dafür ein, dass sich Künstler*innen und Kulturschaffende leichter als bisher für Fördergelder bewerben können und es einen Notfallfonds für sie gibt. Die Pressemitteilung dazu findet Ihr hier: https://www.spd-fraktion-hessen.de/2020/04/03/schnelles-handeln-noetig-spd-fraktion-fordert-notfallfonds-fuer-kulturschaffende/

 

N.G.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0